Wie ist es mit dem Gendern in Leichter Sprache?

Geschlechtergerechte Sprache kann in Übersetzungen in Leichte Sprache zu einer Barriere werden. Das zeigt sich bei den Textprüfungen durch Menschen mit Behinderung. Die Regelwerke von Inclusion Europe und Netzwerk Leichte Sprache machen auf diese Schwierigkeit aufmerksam.

Ein Verzicht auf gendergerechte Sprache hieße aber, die Leserinnen und Leser in Leichter Sprache anders zu behandeln als alle anderen. Das ist nicht im Sinne der Inklusion. Außerdem ist gendergerechte Sprache vielerorts eine auf politischer Ebene beschlossene Sache.

Als Übersetzer für Leichte Sprache verständige ich mich mit meinen Auftraggebern möglichst frühzeitig über das Gendern in den Texten in Leichter Sprache.

Genderzeichen in Leichter Sprache

Sonderzeichen sind für Übersetzungen in Leichte Sprache nur bedingt geeignet. Das gilt für einen Stern, Schrägstriche, Doppelpunkte, Unterstriche oder Binnen-I *3. Sonderzeichen stoppen den Lesefluss und werden meistens nicht verstanden. Wenn ein Sonderzeichen verwendet wird, muss es erklärt werden.

Gendern durch doppelte Nennung

Eine Möglichkeit ist die konsequente Doppelnennung. Das ist bei alltäglichen Wendungen „Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger“ kein Problem. Bei der Übersetzung in Leichte Sprache sollte aber erst die männliche Form genannt werden, weil sie die kürzere ist.

Nachteil: Die konsequente Nennung der weiblichen und männlichen Form konkurriert mit der Leichte-Sprache-Regel „Sprachökonomie“. Das gilt besonders für Berufsbezeichnungen, die sowieso immer komplizierter werden. Zum Beispiel: Gesundheits- und Krankenpflegerin, Gesundheits- und Krankenpfleger.

Gendern durch neutrale Form

Der Duden Leichte Sprache (Regelwerk) *1 empfiehlt den Ersatz der männlichen Bezeichnung durch eine neutrale Form. Leider entstehen dadurch selten verwendete Kunstwörter. Menschen, für die Leichter Sprache gedacht ist, verstehen sie nicht. Das Genderwörterbuch *2 ist für Übersetzungen in Leichte Sprache leider keine große Hilfe.

Weniger bekannte Wörter, Partizipien und Neuschöpfungen sind zu schwer“, heißt es in einem Blogbeitrag auf genderleicht.de *3. Die Autorin nennt einige Beispiele, was in Leichter Sprache funktioniert und was nicht:
Gut geeignet: Mensch / Person / Leute / Mitglied
Nicht geeignet: Mitarbeitende / Interessierte / Leserschaft / Lehrkraft

Gender-Erklärung bei Leichter Sprache

Der Duden Leichte Sprache (Ratgeber)* 4 lässt die Möglichkeit offen, aufs bei Übersetzungen in Leichte Sprache aufs Gendern zu verzichten. Der Übersetzung in Leichte Sprache sollte eine Erklärung vorangestellt werden. Sie könnte lauten: „Das Wort Notar steht im Text. Der Notar kann ein Mann sein. Aber ein Notar kann auch eine Frau sein. Die Frau heißt dann: Notarin. Im Text stehen immer nur Wörter für Männer. Dann kann man den Text leichter lesen.“


*1 Duden Leichte Sprache (Regelwerk) 1. Auflage, 2016, ISBN 978-3-411-75618-6 Leseprobe online

*2 Online-Genderwörterbuch „geschickt gendern“

*3 Blockbeitrag Lucia Clara Rocktäschel: https://www.genderleicht.de/gendern-in-leichter-sprache-anleitung/

*4 Duden Leichte Sprache (Ratgeber) ISBN: 978-3-411-75618-6

Category: FAQ Leichte Sprache
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