Was ist der Unterschied zwischen Leichter und einfacher Sprache?

Leichte Sprache ist eine geregelte Sprache. Ziel ist die möglichst weitgehende Barrierefreiheit. „Alle Menschen sollen alles verstehen können“, lautet der Grundsatz beim Netzwerk Leichte Sprache. Von diesem Netzwerk Leichte Sprache kommt das bekannteste Regelwerk für Übersetzungen in Leichte Sprache. *1

Aber: Kein Text lässt sich so barrierefrei übersetzen, dass wirklich jeder alles versteht. Es kann auch in der Leichten Sprache nur um barrierearmen Text gehen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Leser auch Texte verstehen, in denen nicht immer alle Regeln eingehalten werden.

In der Leichten Sprache sind bei den Übersetzungen auch Abstufungen möglich. So habe ich bei Capito Berlin zwei Stufen kennengelernt: Leichte Sprache in A1 und A2. Die höhere Stufe A2 gibt es zum Beispiel auch bei der Online-Ausgabe der Apotheken-Umschau, dort heißt es Leichte Sprache+.

Bei meinen Übersetzungen in Leichte Sprache werden Lesefähigkeit, Allgemeinbildung und Erfahrungen der Leserschaft berücksichtigt. Das entspricht dem Inklusionsgedanken. Bei Inclusion Europe findet sich der an Übersetzer gerichtete Appell: „Finden Sie so viel wie möglich über die Menschen heraus, die Ihre Informationen brauchen.“ *2

Prüfung ist Qualitätsstandard bei Leichter Sprache

Nach den Grundsätzen von Inclusion Europe und Netzwerk Leichte Sprache ist die Textprüfung durch Leser aus der Zielgruppe ein Qualitätsmerkmal für Leichte Sprache. Die Prüfung der Leichten Sprache ist aufwändig, aber hat sich in der Praxis als hilfreich erwiesen. Wir arbeiten immer mit drei Prüferinnen und Prüfern, die abwechselnd Textabschnitte laut lesen. Der Moderator darf nicht der Übersetzer sein.

Einfache Sprache

Einfache Sprache ist dagegen nicht gesondert geregelt. Sie ist gut verständliche Standardsprache mit wenig Fremdwörtern und einfachen Satzkonstruktionen. Die Einfache Sprache ist schwerer als Leichte Sprache. Es handelt sich um eine Sprache für jedermann, auch die Bild-Zeitung ist in einfacher Sprache geschrieben. Einfache Sprache wird als „Normaltext“ wahrgenommen. Sie ermöglicht den allgemeinverständlichen Einstieg in komplexe Sachgebiete, zum Beispiel in rechtliche Dinge wie in den Bescheiden eines Sozialamtes. *3

Einfache Sprache ist keine Übersetzung aus der Standardsprache, sondern einfach gut lesbare deutsche Schriftsprache. Einfache Sprache ist geeignet, juristische Inhalte zu transportieren. Damit beschäftigen wir uns seit 2022 in einem Projekt mit der Kreisverwaltung Nordfriesland. Es geht um die Einführung von einfacher Sprache auf dem Niveau B1 in allen Bescheiden der Behörde. Die einfache Sprache wird dort nicht zusätzlich eingeführt, sondern ist als Ersatz für schwer verständliches Amtsdeutsch gedacht. Obwohl es nicht verpflichtend ist, prüfen wir auch die einfache Sprache in der Prüfgruppe.

Für Menschen nichtdeutscher Muttersprache

Einfache Sprache ist auch für Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache zu empfehlen. Sie erschließen sich die wenigen noch unbekannten Wörter aus dem Zusammenhang. Die Satzkonstruktionen sind überschaubar und Internationalismen sind für sie kein Problem.

14. April 2024


*1 Regelwerk vom Netzwerk Leichte Sprache

*2 Inclusion Europe: Schreiben Sie nichts ohne uns. ISBN 2-87460-110-1, Regelwerk von Inclusion Europe

*3 Bundeszentrale für Politische Bildung. Gudrun Kellermann: Leichte und Einfache Sprache – Versuch einer Definition. Online lesen

Kategorie: FAQ Leichte Sprache
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